Freitag, 18. November 2011

[Freitags-Füller] #23

Ja, sehr viel zum Rezensieren komme ich in der letzten Zeit wahrlich nicht. Das liegt aber nicht nur an einer Zeitmangel-bedingten Leseflaute, sondern auch daran, dass mein aktueller Schmöker knappe 800 Seiten misst. Dafür, dass ich die ganze Zeit das Gefühl habe, eben keine Zeit zu haben, bin ich doch schon erstaunlich weit voran gekommen und habe derzeit nicht mehr ganz 200 Seiten vor mir. Ja, so viel zu meinem derzeitigen Leseverhalten. Doch bevor ich ins Wochenende entfleuche, hier noch der aktuelle Freitags-Füller. Die Vorgaben sind wie immer von der lieben Barbara und meine Antworten sind fett markiert.

1. Nächste Woche stehen gleich zwei Referats-Besprechungen mit den jeweiligen Seminarleitern auf dem Plan. Also will bis dahin etwas Vorzeigbares vorbereitet sein.

2. Derzeit würde ich mich ja eigentlich nur noch um Hochzeitsdinge kümmern, wenn ich könnte, wie ich wollte. Schließlich haben wir nun den Termin festgelegt und nun brauchen wir unbedingt noch einen Saal für die Feier, Unterkünfte wollen reserviert werden, Einladungen geschrieben, ... uiuiui.

3. Es riecht nach Weihnachten, wenn unsere Räuchermännel fleißig vor sich hin räuchern und dabei die Wohnung so herrlich nach Pinie, Weihrauch und Waldmoos duften lassen.

4. Wenn wir endlich unsere Pläne in die Tat umsetzen und meinen alten Schreibtisch ausmotten, müssen wir unbedingt mal wieder zu IKEA.

5. Es läuft wohl darauf hinaus, dass auch ich dieses Jahr direkt einmal in "Weihnachts-Stress" gerate, denn bisher konnte ich mich noch überhaupt nicht um tolle Geschenke für meine Lieben kümmern.

6. Ich liebe dieses Lied (klick) und höre es immer und immer wieder.

7. Was das Wochenende angeht, heute abend freue ich mich auf meine Familie (Eltern, Großeltern, Schwiegereltern), morgen habe ich feiern wir den 50. Geburtstag meines Papas nach und können ihm endlich sein Geschenk überreichen, weshalb ich die letzten Tage noch sehr viel mit allen möglichen Leuten telefoniert habe; außerdem lerne ich morgen endlich den neuen Freund meiner Schwester kennen und bin gespannt wie bolle geplant und Sonntag möchte ich die Zeit mit der Familie genießen!

Ich hoffe, euch geht es gut, und wünsche euch ein schönes Wochenende. Was habt ihr denn so geplant? Postet es doch im Kommentar, oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.

Mittwoch, 16. November 2011

[Hat der Tod ein Herz?] Der Ackermann aus Böhmen

Der Ackermann Johannes betrauert in diesem kurzen Werk den frühen Tod seiner Frau. Seine laute Klage bleibt nicht ungehört - der Tod höchstselbst antwortet ihm und so entwickelt sich ein rhetorisch ausgefeilter Dialog zwischen zwei ungleichen Kontrahenten.
In einer Nachbemerkung zum Werk (leider ohne Autorenangabe) wird darauf hingewiesen, dass dieser Dialog zwar keine neuen Gedanken präsentiere, für seine Zeit aber vor allem aufgrund der stilistischen Mittel eine Neuheit darstelle. So sind es beispielsweise logische Schlüsse, die auf Aristoteles' antike Philosophie zurückzuführen sind, die in von Tepls Argumentation wiederzufinden sind.

Das Spannende für mich ist dann aber doch eher die Auseinandersetzung des Ackermanns mit dem "zeitlose[n] Problem des Todes (...) aus der mittelalterlichen Gedankenwelt" (S. 82). Dabei ist hinzuzufügen, dass von Tepl hierbei seine eigene Erfahrung literarisch verarbeitet, denn er trauerte tatsächlich um das frühe Ableben seiner Frau Margaretha und haderte mit dem Tod. Natürlich lässt sich dieser nicht einfach hinweg diskutieren und mit vielen Worten beschreibt der Tod, der von sich selbst in der Wir-Form spricht, dass er das unausweichliche Ende des menschlichen Lebens ist. Dabei lässt er nicht gerade ein gutes Haar an dieser Lebensform, die er für verdorben und schmutzig hält. Hier haben wir keinen Tod vor uns, der die Seele des Menschen auf möglichst sanfte Art von ihrem irdischen Dasein trennen will (wie in "Alles Sense"), sondern einen, der klipp und klar seine Aufgabe erfüllt. Für mich besonders interessant: Die Argumente des Ackermanns sind nicht wesentlich anders, als diejenigen, die wir heute vorbringen, wenn ein Mensch stirbt. Und zugleich spiegelt der scharfzüngige Dialog genau den Zwiespalt wider, in dem wir uns so schnell befinden: Natürlich gehört der Tod zum Leben dazu. Und doch können wir ihn mit unserem begrenzten Verstand einfach nicht begreifen.

Fazit: 4 Sterne!

Johannes von Tepl: Der Ackermann aus Böhmen. ISBN: 3-442-02925-2

Freitag, 11. November 2011

[Freitags-Füller] #22

Noch fix den aktuellen Freitags-Füller, bevor ich noch eine Menge von meiner To-Do-Liste abhaken muss... Die Vorgaben sind wie immer von der lieben Barbara und meine Antworten sind fett markiert.

1. Eine Menge Dinge wollen heute noch erledigt werden, vor allem muss ich noch die Wohnung auf Vordermann bringen.

2. Ich habe schon extrem lange keine Schokolade mehr gegessen, fällt mir gerade so auf. Liegt zum einen daran, dass sie mir aufgrund meiner Laktose-Intoleranz ohnehin nicht sonderlich gut bekommt, zum anderen wohl, dass die letzte Prüfung nun schon ein paar Wochen zurück liegt...;-)

3. Die letzte SMS diente der profanen Absprache eines Termins.

4. Dass sich meine heutigen Kopfschmerzen noch verstärken, wäre gerade mein schlimmster Alptraum.

5. Wo sind denn all die Indianer hin? -sing-

6. Ich muss mir unbedingt eine große Kanne Tee machen, Aufwachen für die Sinne.


7. Was das Wochenende angeht, heute abend freue ich mich auf ein Laternenfest, morgen habe ich bekommen wir Besuch von Schwiegermama (was Nummer 1 erklären dürfe) geplant und Sonntag möchte ich mit meiner Referatsausarbeitung weiter voran kommen!

Ich hoffe, euch geht es gut, und wünsche euch ein schönes Wochenende. Was habt ihr denn so geplant? Postet es doch im Kommentar, oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.

Montag, 7. November 2011

Jemand anders. Kriminalroman

Bevor ich mit diesem Krimi begann, habe ich mir ehrlich gesagt gar nicht so viele Gedanken um die mehrfach verknotete Kordel auf dem Buchtitel gemacht. Doch bald erfährt der Leser, dass sie ein wichtiges Symbol für das Leben der Hauptfigur Edgar darstellt, der ein Fitness-Studio betreibt. Denn er war, sozusagen in seinem früheren Leben, selbst einmal Pater in einem Franziskaner-Konvikt. Das muss ihm mittlerweile aber erscheinen, als sei das "Jemand anders" gewesen, schließlich ist das Jahre her und er mittlerweile mit Regina zusammen und mehr oder weniger ein erfolgreicher Geschäftsmann. Wären da nur nicht die zwei Todesfälle in seinem Fitnessstudio gewesen - und das ausgerechnet innerhalb der drei Wochen, an die sich Edgar absolut nicht mehr erinnern kann, nachdem er ein starkes Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. Und irgendetwas hatten die Verstorbenen mit seiner Vergangenheit im Konvikt zu tun - nur was?

Ein Kriminalroman, der ganz ohne Polizei und Kommissar auskommt, denn der eigentliche Krimi spielt sich direkt in Edgars Leben ab. Er selbst ist es, der versucht die Indizien und Hinweise so zu verknüpfen, dass er die ausgelöschten Wochen rekonstruieren kann. Die verschlungenen Pfade webt Kabelka so spannend, dass man das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen mag, und er macht es dem Leser nicht eben leicht, gleich zu Beginn eines Kapitels zu begreifen, wessen Sicht der Dinge er nun gerade geschildert bekommt. Und dann sind da noch diese ominösen Handy-Aufzeichnungen - wie sehr einem doch das eigene Gedächtnis einen Strich durch die Rechnung machen kann...

Ein toller Kriminalroman im Haymon-Verlag, der sich perfekt für spannungsreiche Lesestunden an immer länger werdenden Abenden eignet und ganz nebenbei geradezu philosophische Passagen bereit hält!

Fazit: 4 Sterne!

Franz Kabelka: Jemand anders. ISBN: 978-3-85218-694-8

Samstag, 5. November 2011

Die Brettener Methode. Ein Kraichgau-Krimi zu Peter und Paul

Das Peter und Paul-Fest in Bretten hat eine jahrzehntelange Tradition. In Huckes Roman dient es als gewaltige Kulisse für einen Krimi der besonderen Art: Regional-Krimis erfreuen sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit, und dieser hier schafft es auf wundervolle Weise, das malerische Kraichgau mit seinen herzensguten Einwohnern in Szene zu setzen. Dabei ist der Hintergrund selbst gar nicht so bezaubernd: Die siebzehnjährige Anina, die mit ihren elfenhaft grünen Augen und ihrem blonden Pferdeschwanz von Kindesbeinen an alle Menschen auf wundersame Weise rührt, gerät in finstere Kreise und landet schließlich in einer Stuttgarter Motorrad-Gang. Deren Anführer Utze löst in ihr eine unerklärliche Faszination aus und bald folgt sie ihm auf Schritt und Tritt. Als sie aber während eines nächtlichen Überfalls einen alten Mann mit einem heißen Bügeleisen attackieren soll, nimmt sie Reißaus. Wo sich verstecken vor Utze und seiner Folgschaft? Ihr fällt nur Pierre ein, der beste Freund ihres Bruders Armin. Pierre, seit Kindesbeinen in die blonde Schönheit verliebt, lässt kurzentschlossen alles stehen und liegen: Die Besenwirtschaft seiner Mutter, seine Familie und vor allem: Das Trainingslager der Hoffenheimer Nachwuchs-Fußballmannschaft, das ihm eigentlich Tür und Tor für die Profi-Fußballerkarriere öffnen sollte. Es folgt eine rasante Hetzjagd durch das Kraichgau, die ihr jähes Ende ausgerechnet auf dem heißersehnten Peter und Paul-Fest finden soll...

Eine absolut spannende Geschichte, die mit viel Liebe für's Detail geschrieben wurde. Nicht nur, aber ganz besonders Kenner der Region rund um Bretten, kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten, wenn all die Eigenarten der alteingesessenen Bewohner der Dörflein wie Großvillars und Sternenfels beschrieben werden. Vor allem die Klangfärbung des einheimischen Dialekts ist sogleich im Ohr, wenn man die beschriebenen Gespräche liest und den Tonfall noch aus Kindheitstagen kennt... Hucke hat das Kraichgauer Lebensgefühl einfach grandios festgehalten! Und wären die letzten vier Seiten nicht gewesen, ich hätte dem Buch die volle Punktzahl gegeben... Leider gefällt mir der letzte Kniff des Endes ganz und gar nicht. Schade!

Fazit: 4 Sterne!

Johannes Hucke: Die Brettener Methode. Ein Kraichgau-Krimi zu Peter und Paul. ISBN: 978-3-88190-637-1

Freitag, 4. November 2011

Der dreizehnte Beatle

Dies ist ein Tagebuch der ganz besonderen Art: Sein Schreiber, der sich Billy Shears nennt, berichtet von seiner Zeitreise in das London der 1960er Jahre. (Remember that guy from the Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band?)

Diese Zeitreise dient nur dem einen Zweck, das erste Aufeinandertreffen von John Lennon und Yoko Ono zu verhindern. So, das denkt zumindest Billy Shears, ließe sich verhindern, dass sich die Beatles trennen, denn dies wäre seiner Meinung nach ohne Yoko niemals passiert. Aber wie das eben so ist, wenn man den Verlauf der Geschichte ändern will: 1. kommt alles anders und 2. als man denkt. Billy Shears verhindert zwar, dass John Yokos Atelier betritt, allerdings verursacht er mit seiner gefälschten Bombendrohung ein solches Chaos, dass John in seinem kleinen Mini-Cooper einen Unfall erleidet und ins Koma befördert wird. Wie soll er jetzt bloß zusammen mit seinen Kollegen eines der ersten Konzeptalben der Popmusik konzipieren? Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band kennt zu diesem Zeitpunkt noch niemand und wenn John nicht bald aufwacht, wird es auch niemand kennen lernen können, oder?

Eine sehr gute Grundidee. Doch den Lobeshymnen auf dem Buchumschlag kann ich mich dann doch nicht anschließen. Billy Shears nutzt seine Zeit in London dazu, allerhand Musiker vor ihren frühen Todesfällen durch Drogen, Alkohl, Unfälle zu warnen, treibt sich in illustren Kreisen herum, feiert wilde Parties, gerät nebenbei in skurrile Machenschaften der IRA und weiß gar nicht so recht, wohin mit sich, nachdem er nun in einer völlig fremden Zeit lebt. Leider passiert lange Zeit nichts weltbewegendes und der Schreibstil des Autors, der auf zahlreichen scheinbar nie enden wollenden Aufzählungen basiert, gestaltet es schwer, am Ball zu bleiben. Erst, nachdem John tatsächlich wieder die Augen öffnet, wird es wieder interessant. Bis dahin ist aber schon mehr als die Hälfte des Buches vorbei... Schade.

Henschel beweist, dass er sich sehr gut mit der Geschichte der Beatles auskennt und selbst kleinste Details aus dem Leben der Fab Four recherchiert hat. Die zahlreich eingestreuten Textzeilen lockern den Lesefluss auf und passen thematisch immer sehr gut. Dennoch hält dieses Buch leider nicht, als es verspricht. Für die gelungene Grundidee und das elegante Ende aber doch noch

Fazit: 3 Sterne!

Gerhard Henschel: Der dreizehnte Beatle. ISBN: 978-3-423-13977-9

[Freitags-Füller] #21

Kurz vor Ende des Tages noch schnell ein Freitags-Füller. Die Vorgaben sind wie immer von der lieben Barbara und meine Antworten sind fett markiert.

1. Heute werde ich höchstens noch ein paar Seiten in meinem aktuellen Roman schmökern und dann einfach die Augen zumachen. Der Tag war voller Arbeit, Referatsplänen und einem gemütlichen Ausklang bei Wein und Käse...

2. Es heißt nicht umsonst "das Auge isst mit", insofern kann ich nicht immer so ganz uneingeschränkt sagen, Hauptsache es schmeckt.

3. Jetzt ist November und es stehen die Geburtstage der zwei Männer in meinem Leben vor der Tür (Lieblingsmensch und Papa), also gibt es gerade viel zu planen!

4. Dass die Handwerker vor unserem Haus mit ihren lauten Arbeiten immer erst zum Mittag oder sogar nach Feierabend anfangen, nervt.

5. Meine Oma sagte immer "Der liebe Gott hat einen Plan für uns alle." - Und das sagt sie auch heute noch. Ob ich ihr sagen sollte, dass ich da eher agnostisch veranlagt bin...?

6. Ich trinke liebend gern schwarzen Tee, allerdings lieber lauwarm als dampfend heiß.

7. Was das Wochenende angeht, heute abend freue ich mich auf mein Bett, morgen habe ich etwas Uni-Krams und das Treffen mit einem guten Freund geplant und Sonntag möchte ich den freien Tag gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen genießen!

Ich hoffe, euch geht es gut, und wünsche euch ein schönes Wochenende. Was habt ihr denn so geplant? Postet es doch im Kommentar, oder greift euch selbst den aktuellen Freitags-Füller.

Donnerstag, 3. November 2011

[Harry Potter-Challenge] Der Gefangene von Askaban

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es war eine sehr gute Idee, mal wieder alle Harry Potter-Bände zu lesen. Ich habe mir über all die Jahre natürlich den Roten Faden gemerkt, aber vieles ist hinten herunter gefallen. Dabei hat Rowling so viele Nebencharaktere geschaffen, die selbst einen erstaunlichen Tiefgang bieten. Natürlich ist es dabei von Vorteil, dass sie nicht nur mehrere hundert, sondern gleich mehrere tausend Seiten für die Entfaltung ihrer Geschichte zur Verfügung hat, aber es schildert doch jedes Buch ein in sich stimmiges Jahr.

In Harrys drittem Jahr in Hogwarts dreht sich alles um den Gefangenen Sirius Black, der aus Askaban geflohen ist. Dies ist vor ihm noch niemandem gelungen und all die wilden Geschichten, die man sich über Black erzählt, tragen dazu bei, dass sogar in der Muggelwelt Angst und Schrecken vor diesem vermeintlichen Mörder verbreitet werden. Der erfahrene Potter-Leser/Zuschauer weiß natürlich längst, dass Sirius eben nicht der bösartige Mörder ist, als der er dargestellt wird. Umso spannender war es für mich, aus einer wissenden Perspektive mitzuverfolgen, wie sich die Angst bis nach Hogwarts ausbreitet.
Was mir in diesem Band außerordentlich gut gefallen hat, war der tiefe Einblick in den (Schul-)Alltag der Zauberschüler, vor allem der wohl vorbereitete Unterricht in "Verteidigung gegen die dunklen Künste" bei dem geheimnisvollen Lupin, der Harry außerdem beibringt, sich gegen die Dementoren zu wehren.
Die Idee des Zeitumkehrers, mit dem Hermine ihren überfüllten Stundenplan bewältigen kann, ist einfach genial. Ich hätte ja auch gern einen Zeitumkehrer, um mal mehr Zeit für Schlaf zu haben...;-)
Und dann lebt dieser Band von all den kleinen "Nebensächlichkeiten": Rons und Hermines Streitereien um Krätze und Krumbein, Nevilles unglaubliche Vergesslichkeit, die verrückte Prof. Trelawney, das wunderschön beschriebene Hogsmade, ... Und nicht zu vergessen natürlich die grandiose Karte des Rumtreibers, die nicht nur Snape beleidigt, Harry verborgene Wege aufzeigt, sondern so ganz nebenbei die wichtige Verbindung von Tatze, Krone, Moony und Wurmschwanz aufzeigt.

Joanne K. Rowling: Harry Poter und der Gefangene von Askaban. ISBN: 978-3-551-55169-3

Mittwoch, 2. November 2011

[Hat der Tod ein Herz?] Draußen vor der Tür

Sein sehr kurzes literarisches Schaffen widmete Wolfgang Borchert der Aufarbeitung seiner Kriegserlebnisse und diese spielen daher eine große Rolle in seinen Werken. In seinem Theaterstück, "das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will" (S. 5) kehrt der Unteroffizier Beckmann nach drei Jahren Kriegsgefangenschaft in Sibirien in seine Heimat zurück. Doch nichts ist mehr so, wie es war: Seine Eltern haben sich nach dem Ende der NS-Diktatur das Leben genommen, Hamburg liegt in Trümmern, die Straßen sind nicht mehr voller Menschen, sondern voller Leichen, und seine Frau hat einen anderen Mann. Doch nicht erst darüber droht Beckmann seinen Verstand zu verlieren - das liegt viel mehr daran, dass er seit Ewigkeiten nicht mehr schlafen kann, denn eine unheilvolle Xylophon-Musik lässt ihn schon nach wenigen Minuten laut schreiend aus dem Schlaf hochschrecken. Was er da hört ist nicht etwa das leichte Trommeln auf einem hölzernen Instrument, sondern rhythmische Hiebe auf menschliche Knochen. Beckmann wird nicht damit fertig, dass in einem Manöver, für das ihm die Verantwortung übertragen wurde, elf Soldaten umgekommen sind...

Eingebettet ist dieses bedrückende Drama in einen Dialog zwischen dem alten Mann, an den keiner mehr glaubt, und einem Beerdigungsunternehmer mit Schluckauf. Bald wird deutlich, dass der alte Mann Gott ist, und er weint um all seine Kinder, die in diesem krieggebeutelten Jahrhundert so zahlreich ums Leben kommen, dass niemand mehr an ihn glauben kann, und dass der Beerdigungsunternehmer der Tod ist, der einen rülpsartigen Schluckauf hat: Dieses Jahrhundert bringt auf einen Schlag so viele Tote, dass der Tod geradezu überfressen ist.
"Du hast es gut! Du bist der neue Gott. An dich glauben sie. Dich lieben sie. Dich fürchten sie. Du bist unumstößlich. Dich kann keiner leugnen! Keiner lästern. Ja, du hast es gut. Du bist der enue Gott. An dir kommt keiner vorei. Du bist der neue Gott, Tod, aber du bist fett geworden. Dich hab ich doch ganz anders in Erinnerung. Viel magerer, dürrer, knochiger, du bist aber rund und fett und gut gelaunt. Der alte Tod sah immer so verhungert aus." (Borchert 2008: 10)
Doch so gut hat es der Tod gar nicht, denn angesichts des Leids zweier Weltkriege überschattet sein Tun eine melancholische Geschäftigkeit. Und Beckmann strandet in seiner Verzweiflung in den Straßen Hamburgs, beginnt wild zu träumen und weiß bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht...

Ein wichtiges Zeugnis der deutschen Nachkriegsliteratur.

Fazit: 4 Sterne!

Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür. Und ausgewählte Erzählungen. ISBN: 978-3-499-10170-0